Wenn Trinken zum Zwang wird

Das Selbstvertrauen von Jugendlichen zu stärken und sie für Gefahren in Sachen Abhängigkeit zu sensibilisieren ist das Ziel der Suchtpräventionstage an der Walterichschule. Das Projekt umfasst eine ganze Palette an Informationen und Mitmach-Angeboten für Siebtklässler. Die Schulsozialarbeiter Margit Körner und Kurt Hoberg haben es gemeinsam mit der Suchtpräventionsbeauftragten Gerlinde Kremer und Klassenlehrer Norbert Welsch auf die Beine gestellt. 

Von Elisabeth Klaper

MURRHARDT ... Weiterer Höhepunkt bei den Präventionstagen war der Auftritt der „Wilden Bühne“ aus Stuttgart mit fünf Schauspielern – alle ehemalige Drogenabhängige. Das Improvisationstheater spielte mit Siebtklässlern und Schülern der Herzog-Christoph-Schule der Klassen 7 bis 9 in Rollenspielen zwei heikle Situationen nach, die Sozial- und Theaterpädagogin Meike Jauernig moderierte. Dabei machten die Jugendlichen engagiert mit und wollten später die Szenen selbst nochmals nachspielen und aufarbeiten. „Luca im Netz“ war ein Beispiel für Cyber-Mobbing – also Ausgrenzung, bei der technische Hilfsmittel wie Handy und Computer verwendet werden. In der Spielszene wird ein Schüler in einer intimen Situation heimlich gefilmt und das Video anschließend auf „YouTube“ ins Internet gestellt, um sich über ihn lustig machen zu können. Das Fazit lautete: Wenn so etwas passiert, sollten Klassenkameraden einen Betroffenen unterstützen. Bei „Rück die Kohle raus“ ging’s um das Thema Erpressung und wie sich Schüler in solch einem Fall verhalten sollten. Hier war die klare Botschaft: Sich nicht mit Gewaltbereiten anlegen oder sie provozieren, denn eine Schlägerei sei völlig unkontrollierbar, machte einer der Schauspieler deutlich. In beiden Fällen war der Rat, sich an eine erwachsene Vertrauensperson zu wenden, wie Eltern, Lehrer oder Schulsozialarbeiter – und die Polizei informieren. Um Berührungsängste abzubauen, waren auch Peter Kupka und Uli Vischer vom Polizeiposten Murrhardt zu Gast. Erpressung sei eine schwere Straftat, betonte Kupka, und machte klar, dass die Polizei an dieser Stelle aktiv werden müsse. 

Was hilft einem eigentlich dabei, wenn man ein Problem hat? Wie geht es einem wieder besser? Margit Körner stellte dazu das sogenannte Klaviermodell vor: Je vielfältiger die Klaviatur der Möglichkeiten, desto harmonischer die Melodie des Lebens, erklärte die Schulsozialarbeiterin. Im Idealfall kann ein Jugendlicher aus verschiedensten Quellen Kraft und Zuspruch schöpfen: Mit einer Vertrauensperson sprechen, Freunde treffen und gemeinsam etwas unternehmen, Musik hören, Lesen, Tanzen, oder sich entspannen.

Die Siebtklässler fanden die Suchtpräventionstage wichtig. Dazu hätten Informationen über die verschiedenen Suchtmittel genauso gehört wie über Auswirkungen der Stoffe auf das Verhalten und die Gesundheit. So waren die Jugendlichen schockiert darüber, welche gravierenden körperlichen Schäden das Rauchen hervorruft. Ebenso, dass ein Ungeborenes durch Alkoholkonsum und Rauchen von Vater und Mutter während der Schwangerschaft schwere Schädigungen erleiden kann. Darüber hinaus erfuhren die Jugendlichen, wo und bei wem sie Unterstützung erhalten können, wenn sie nicht mehr allein weiter wissen. Deshalb besuchten sie zum Abschluss der Präventionstage das Caritas Zentrum Backnang, das niederschwellige Angebote für die Jugendlichen bereithält.

(Quelle: Murrhardter Zeitung)

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