Schlägereien sind keine Lösung

Laufen. Nah dran an den Jugendlichen: Die „Wilde Bühne“ spielt vor Hauptschülern

von Thomas Dorn

Peter und Pascal brauchen immer Action – und Geld. „Und wenn ich Kohle brauche, hole ich sie mir“, sagt Pascal. Ihr Opfer ist Julia. Sie passen die Schülerin ab, lassen kurz die Muskeln spielen. „Du bringst morgen 20 Euro hierher“, fordern sie unmissverständlich. Ein klarer Fall von Erpressung. Als Julia das Geld bei einer Mitschülerin klauen will, wird sie erwischt. Hätten sie sich auch anders verhalten können?

Die „Wilde Bühne“ aus Stuttgart hat sich auf Problem- und Konfliktsituationen spezialisiert, mit denen Jugendliche in ihrem Alltag oft konfrontiert sind. Gewalt ist da nur ein Beispiel. An diesem Dienstagvormittag spielt sie im Lauffener CVJM-Haus vor 90 Siebt- und Achtklässlern der Hölderlin-Hauptschule. Kerstin Vollbrecht, Leiterin des Jugendtreffs in Neckarwestheim, hat die Truppe nach Lauffen geholt, zusammen mit dem Lauffener Schulsozialarbeiter Alexander Meic. „Viele meiner Jugendtreff-Leute gehen hier zur Schule“, sagt sie. 

Mobbing und Süchte Erpressung und Abzocke, sagt Meic, spielen an seiner Schule eher keine Rolle, Mobbing allerdings schon. „Dass Menschen an die Kante gestellt werden, ist immer ein Thema.“ Ebenso wie Sucht, vor allem Alkohol, Rauchen, Kiffen. Dass schon 13-jährige mit großer Selbstverständlichkeit die Shisha – eine Wasserpfeife – rauchen, hat Kerstin Vollbrecht schon erschreckt. „Da wird vieles verharmlost“, ist ihre Erfahrung.

Vollbrecht und Meic gefällt, dass die „Wilde Bühne“ mit ihren Stücken „nah dran ist“ an den Jugendlichen. Das könnte damit zu tun haben, dass alle Schauspieler ehemalige Drogenabhängige sind. „Die wissen, wovon sie sprechen“, sagt Kerstin Vollbrecht. „Das ist nichts Angelerntes, Angelesenes, das merkt man deutlich.“

Das Besondere am Lauffener Gastspiel: Hier geht´s um Mitmachtheater. Die Spielszenen stoppen an einem bestimmten Punkt, und dann ist es an den Zuschauern, aktiv ins Geschehen einzugreifen. Mit Lösungsvorschlägen. Oder indem sie als Schauspieler oder Regisseur selbst auf die Bühne kommen und „ungünstige“ Szenenausgänge verändern. So wird den Schülern deutlich, dass man auf jede Situation unterschiedlich reagieren kann.

Im Fall der erpressten Julia, plädieren die meisten Schüler dafür, zu den Eltern, zum Lehrer oder zur Polizei zu gehen. Die 13-jährige Emel zeigt auf der Bühne dann auch sehr überzeugend, wie man die (zu( sehr mit sich selbst beschäftigte Mutter zum Hinhören zwingt.

Auf die eigene Art Dass es keine Lösung ist, die Mitschüler zu beklauen, um an Geld zu kommen, leuchtet den meisten ein. Manche plädieren allerdings dafür, die Sache „auf meine Art“ zu regeln, sprich: mit den Kumpels wiederzukommen. Von Schlägereien raten die Schauspieler jedoch dringend ab. „Da könnt ihr euch selbst strafbar machen.“ Denn es gibt einen Unterschied zwischen sich wehren und sich rächen.

Andere Szenen drehen sich um Jugendliche im Schullandheim, die von der Lehrerin beim Kiffen erwischt werden. Oder um Manuela und Kai, deren Beziehung darunter leidet, dass sich der Junge immer wieder von Kumpels zum Saufen überreden lässt. Dass Manuela ihrem Freund in der Kneipe eine Szene macht, wir von den Schülern unterschiedlich kommentiert. Aber auch hier ist entscheidend: Die „Wilde Bühne“ bietet ihnen jede Menge Soff zum Nachdenken. Und zum Nacharbeiten im Unterricht.

(Quelle: Heilbronner Stimme)

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