Rasante Wortakrobatik

Improvisationstheater „Wilde Bühne“ begeisterte im HanhArt- Kunstprojekt
Wer kennt sie nicht, die Geschichte vom Selbstmord in der Lottoannahmestelle? Oder wer weiß, wie ein Schindelmacher arbeitet, wenn er mal verliebt, mal traurig ist? Kein Problem für die „Wilde Bühne“ aus Stuttgart, die im Güntenbacher hanh art mit ihrem Improvisationstheater eine grandiose Show abzog.

Pausenlos reihten die drei Akteure, zwei Männer und eine Frau, völlig unvorhersehbare Satzgebilde aneinander, als hätten sie genau diese Geschichte miteinander erlebt, mal zu dritt, mal paarweise. Oder der Dritte drückt zeitgleich genau diese Geschichte durch Pantomime aus. Das Publikum kam aus dem Staunen nicht mehr heraus.

Und wenn sich einer der Schauspieler nicht an die Richtlinien von Ansager Jörg Pollinger hielt, war der theatralische Tod fällig, Thema: „Tod im Vogelnest durch eine Mandarine“. Selbst unsinnigste Wortverbindungen aus dem Publikum ließen erstaunliche Szenen auf der Bühne entstehen, ungeprobt, unvorhersehbar- jede eine Premiere, bei der die Gäste voller Bewunderung über so viel Spontaneität nur noch kräftig applaudieren konnten. Da war die Szene, als sich der Käufer bei „Aldi an der Kasse über qualitativ hochwertiges Fleisch“ ausließ. Das Gespräch wechselte zwischen der deutschen- und einer Unsinnsprache, starke Mimik und Tonfall ließen dennoch den Inhalt verstehen. Die Gäste stimmten mit dem kräftigen 5-4-3-2-1-los die jeweilige Szene ein.

Immer wieder stoppte der Ansager das Geschehen, wenn etwa die „Aktion in der Schwimmhalle“ zuerst als Comedyshow, dann plötzlich als Western, als Stummfilm oder gar als Porno dargestellt werden sollte. Ergreifende Tragödien, urkomische Momente – es ging Schlag auf Schlag. Geistesgegenwärtig musste auf das Spiel des anderen reagiert werden, ohne das der rote Faden verloren ging. Dazu begleitete Andreas Beier behutsam das Geschehen auf dem Klavier oder anderen Instrumenten – ebenso spontan und improvisiert.

Dem Freundeskreis der Bregtalschule war mit der „Wilden Bühne“ ein Glücksgriff gelungen. Schade, dass nur etwa 40 Zuschauer die Gelegenheit wahrnahmen. Mit tosendem Applaus erreichten die Gäste noch eine Zugabe. Danach durften sie selbst die Kunst des Improvisierens auf der Bühne ausprobieren und die Akteure als Marionetten bewegen. (pdo)

(Quelle: Südkurier)

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