Gelungene Szenen- Collagen über berühmte Frauen

Bad Cannstatt: Wilde Bühne gastierte im kommunalen kontakt theater mit erfolgreicher Aufführung vor begeistertem Publikum

(ch) – Mit Szenen- Collagen führte die Wilde Bühne das Publikum des Kommunalen- Kontakt- Theaters in Cannstatt hinter die Kulissen der Glamourwelt. Das Stück Frauenleben brachte das Publikum zum Nachdenken. 

Wenn berühmte Frauen Edith Piaf, Billy Holliday, Anais Nin, und Anita Berber mit der Tünche aus Glanz und Glamour ihr Einsamkeit und Verzweiflung überpinseln, dann weiß das Publikum das meist nicht. Noch weniger ist bekannt, dass diese Frauen ohne Alkohol und Drogen nichts mehr leben konnten. Bei der Inszenierung des Stückes Frauenleben haben die Schauspielerinnen Dorothee Nägele und Sabine Walszak zusammen mit der Regisseurin Lea Butsch die Geheimnisse dieser Frauenleben in Lebenssplittern auf die Bühne gezaubert. Der begeisterte Applaus des Publikums lohnte die Arbeit. Nicht nur die biographischen Einblicke in die Lebenswelt der vier Berühmtheiten, sondern auch Dialoge aus dem Stück „Nestwärme“ von Brigitte Schwaiger regten zum Nachdenken und Durchblicken von schön gestylten Fassaden an. Die beiden Arztgattinnen Christa und Hildegard halten beim Kaffeeklatsch im kleinen Schwarzen nicht nur die bürgerliche Fassade um jeden Preis aufrecht, sondern sie zeigen, wie man mit Noblesse auch noch die schaurigsten familiären Katastrophen zurechtbiegen kann. Gefühle der Verzweiflung und Betroffenheit bleiben so außen vor und die dazu notwendige, vehement verteidigte Lebenslüge sorgt schließlich dafür, dass die nächste Katastrophe dann auch mit Sicherheit kommt.

Die Darstellerinnen sorgten durch ihr schauspielerisches Können nicht nur dafür, dass die beiden Arztfrauen Erinnerungen an ähnliche Figuren aus dem Alltagsleben weckten, sondern dass die Auftritte der vier Glamourfrauen ebenfalls überzeugten. Nicht nur die Piaf überzeugte, auch Billy Holliday, die sich aus dem Dreck hocharbeitete und im weißen Kleid vor dem Publikum auch noch dann glänzen musste, als schon längst Alkohol und Drogen zu ihrem Leben gehörten. Anis Nin, die Tochter eines berühmten spanischen Komponisten experimentierte mit Drogen und verarbeitete ihre Sorgen in einem elfbändigen Tagebuch, das in 13 Sprachen übersetzt wurde. Anita Berger, die von Otto Dix auf einem berühmten Bild porträtiert wurde, starb süchtig im Alter von 29 Jahren. Trotz der kritischen Haltung machte das Stück in der letzten Szene Mut, denn die beiden Schauspielerinnen präsentierten dem Publikum hier eine Taxi- Fahrerin, die sich ihrem Traumberuf der Automechanikerin so sehr verschrieben hat, dass sie das Angebot einer Casting- Agentin abschlägt, zum Superstar zu avancieren.

(Quelle: Stuttgarter Zeitung)

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