"Cool" spielen kein "heißer Tipp"

Cool spielen kein heißer Tipp

Achtklässler der Geschwister-Scholl-Realschule im Dialog mit dem Stuttgarter ForumTheater

Gewalt- und Drogenprävention sind Ziele einer so genannten ”Zukunftsoffensive III – Junge Generation” der Landesregierung. In der Geschwister-Scholle- Realschule war deshalb gestern” die ”Wilde Bühne” Stuttgart zu Gast. Die Schauspieltruppe hat ihr Ziel erreicht: den Dialog mit; einer Aula voller Achtklässler.

Gewalt sei an seiner Schule eigentlich zum Glück kein schwerwiegenderes Problem sagt Rektor Peter Hoffmann. Und Drogen na ja, ”das spielt sich eher im privaten Bereich ab”. Aber die Schule kann nach Überzeugung des Pädagogen Möglichkeiten bieten, das Thema ”in Schülersprache von Schülern zu Schülern” anzugehen, die Jugendlichen auf jeden Fall für die Problematik ”zusätzlich zu sensibilisieren”.

Die im dunkelroten Kleinbus angereiste ”Wilde Bühne praktiziert mit dem Forum-Theater eine Theaterform, die das Publikum vom Zuschauer zum Mitspieler macht Während der Aufführung werden Szenen zu den Themen Gewalt und Drogen gespielt. Die Schüler können diese Szenen von einem bestimmten Zeitpunkt an stoppen und der Handlung durch Mitspielen oder Zuruf einen neuen Verlauf geben. So war’s gedacht. Gespannt aber befangen hockt die Bande im Halbkreis vor der nur durch einen schwarzen Vorhang sowie sparsame Ton- und Lichttechnik als solche gekennzeichnete Bühne. „Wenn sich niemand traut, auf die Bühne zu kommen, dann könnt ihr auch Regie machen”, erklärt die Moderatorin. Kein Problem für sie. ”Das ist wichtig, weil wir auf euch angewiesen sind!” Dass dies nicht einfach so locker dahingeplappert ist, zeigt sich bei der ersten Szene: Eine ”Neue“ kommt in die Realschulklasse. Eine vom Gymnasium. Prompt kommt die provozierende Reaktion aus dem Realschulpublikum. Die ”Neue” wird vorgestellt, bleibt aber außen vor, wird ausgegrenzt, versucht ins Gespräch zu kommen, biedert sich per Zigarette bei rauchenden Klassenkameraden an und beibt eben doch brutal links draußen. Mit Händen ist zu greifen, dass es so nicht geht, nicht gehen soll. Frage der Moderatorin: Was kann Anette, was kann die Neue anders machen? ”Kiffen!” Gelächter. ”Andere Freunde suchen!”. ”Nicht mehr rauchen!” – Direktansprache: Was meinst Du? Antwort: ”Keine Ahnung!” – Die Moderatorin lässt nicht locker: ”War das für euch in Ordnung, wie die Annette sich verhalten Halb ja, halb nein, signalisieren die wechselnd hoch gestreckten Arme. Was die arme Annette in ihrer neuen Klasse falsch gemacht hat? ”Sie wollte cool spielen, aber das hat nicht geklappt!” Was tun? ”Die Schule wechseln!”, ruft einer aus den hinteren Reihen dazwischen, bekommt – wie erhofft – die Lacher. Viele sind es nicht. Zu wissen, wie man’s besser macht, ist schwierig genug, aber selbst nach vorn zu gehen, um es den andern spielend vorzuführen? „Es haben ganz viele Angst, jetzt auf die Bühne zu kommen”, sagt die Moderatorin und bricht damit das Eis. Tosender Beifall - aller Achtklässler begleitet Lisa und Julia für ihren Mut und für ihren Rat an die zur Außenseiterin gezwängte Annette: ”Normal’ hat?” bleiben!” Ganz einfach eigentlich, aber wohl doch die elementare Grundvoraussetzung, ohne die nichts geht. ”Ziel ist, Kinder und Jugendliche zum Thema Gewalt und Drogen mit Hilfe”des Theaters direkt anzusprechen, ihnen verschiedene „echte“ und „wirkliche“ Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen und anzubieten, sie stark zu machen, in Konfliktsituationen sich gegen Gewalt und Drogen zu entscheiden.” Ob das Ziel zu erreichen ist, wird wenn, dann wahrscheinlich später zu sehen sein. Betroffenbeit hat die ”Wilde Bühne” auf Anhieb ausgelöst.

Rudolf Zeiffer 

(Quelle: ZVW)

Anschrift & Telefon

Wilde Bühne e.V.
Soziokulturelles Forum für ehemalige Drogenabhängige

Ostendstr. 106a
70188 Stuttgart

Telefon: 0711 / 46 60 60
Telefax: 0711 / 46 60 70

E-Mail: info@wilde-­buehne.de