Cool auch ohne Zigarette

Realschüler und die „Wilde Bühne“ setzen sich mit Drogen auseinander

Besigheim 
Zigaretten, Alkohol oder Haschisch: Drogen spielen im Leben Jugendlicher immer früher eine Rolle. Die Maximilian-Lutz-Realschule versucht mit verschiedenen Projekten, die Schüler über die Gefahren aufzuklären und ihnen die Faszination am Verbotenem zu nehmen. Gestern besuchten die achten Klassen das Stück „ForumTheater“ der Stuttgarter Truppe „Wilde Bühne“ in der Stadthalle Alte Kelter.

Annette ist die Neue in der Klasse: Ihre Mitschüler sprechen nicht mit ihr, schließen sie aus. „Darf ich auch eine Zigarette haben?“, fragt sie in die Runde, in der Hoffnung Anschluss zu finden. „Warum denkt ihr, hat sie nach einer Zigarette gefragt, obwohl sie eigentlich nicht raucht?“, fragt Rüdiger Erk, Moderator der Theatergruppe „Wilde Bühne“ die Achtklässler der Maximilian-Lutz-Realschule. „Gruppenzwang“, rufen einige aus dem Publikum.

Insbesondere Zigaretten und Alkohol sind bei Jugendlichen nach wie vor sehr beliebt. Um dazuzugehören – „cool“ zu sein, greifen sie zu den Suchtmitteln, oftmals auch mit katastrophalen Folgen. So landeten nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im Jahr 2006 19500 Jugendliche im Alter zwischen zehn und 20 Jahren wegen Alkoholmissbrauch im Krankenhaus.

Reinhard Ehring, seit fünf Jahren Drogenpräventionslehrer an der Besigheimer Realschule, bestätigt, dass übermäßiger Alkoholkonsum auf Partys bei Neuntklässlern nicht ungewöhnliches sei. Auch Haschisch konsumieren die 15- und 16-Jährigen „aber bei weitem nicht so massiv“, ist sich der Lehrer sicher. Zur Zigarette greifen Schüler hingegen schon wesentlich früher: „Bereits Siebtklässler rauchen“, erzählt er.

Um diesem Negativtrend entgegenzuwirken, gibt es an der Schule viele Präventionsprojekte. So ist seit vier Jahren das Rauchen an der Schule verboten. Keine Raucherecken mehr, und wer beim Qualmen erwischt wird, bekommt einen Eintrag oder die Eltern erhalten einen „Raucherbrief“. Die Maßnahmen zeigen Wirkung: Viele Schüler haben daraufhin mit dem Rauchen aufgehört.

Außerdem ist das Thema „Drogen“ auch in den Unterricht integriert: In den siebten Klassen finden Projektwochen statt und in den achten Klassen werden Drogen im Religions- und Biologieunterricht behandelt.

Der Besuch des Theaterstücks der „Wilden Bühne“ ist ebenfalls eine Maßnahme, die Schüler frühzeitig auf die Gefahren aufmerksam machen soll. Das Besondere dabei: Alle Mitglieder des Ensembles sind ehemalige Drogenabhängige – wissen also wovon sie sprechen. Die Idee des „ForumTheaters“: vorspielen – darüber sprechen – nachspielen. „Welches Verhalten wäre in Annettes Situation richtig?“ fragt Rüdiger Erk die Zuschauer. „Zu ihrer Meinung stehen“, sind sich die Schüler einig. Wie das dann aussehen kann, präsentiert die Theatergruppe gemeinsam mit einem Mädchen aus dem Publikum.

Am Ende der interaktiven Aufführung beantworten die Schauspieler dann offen alle Fragen: Warum seid ihr abhängig geworden? Was haben eure Eltern dazu gesagt? Mit wie viel Jahren habt Ihr mit den Drogen angefangen? Oder Wie lange dauert eine Therapie? Bewegt lauschen die Schüler den Erfahrungsberichten der Schauspieler. „Von welchem Zeug man abhängig ist, macht keinen Unterschied. Am Ende verliert man alles“, mahnt ein Mitglied des Ensembles.

von Alexandra Pfeffer

(Quelle: Ludwigsburger Kreiszeitung)

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