Authentische Botschafter

Die Wilde Bühne feiert ihr Zehn- Jahr- Jubiläum

Zweckfrei sei die Kunst, hieß es, als nutzlos beschrieb sie Oscar Wilde im „Bildnis des Dorian Gray“. Lea und Rolf Butsch sehen das anders und mit ihnen das Ensemble der ihnen geleiteten Wilden Bühne. Für sie hat die Kunst, in erster Linie das Theater, sowohl Zweck wie praktischen Nutzen. Der Zweck: Suchtprävention und Therapienachsorge. Der Nutzen: Weniger Drogenabhängige und Hilfe für ehemalige Suchtkranke.

Die Wilde Bühne galt der Bundesregierung einst als förderungswürdiges Modelprojekt. Auch das baden- württembergische Sozialministerium und das Sozialamt der Stadt Stuttgart schätzen die Arbeit des Vereins und unterstützen die Theaterleute finanziell. Zu vierzig bis sechzig Prozent finanziert sich die Wilde Bühne aus Eigenmitteln, der Rest des Budgets kommt vom Sozialministerium, seit diesem Jahr auch in fester Höhe vom Sozialamt der Stadt. Diese neu gewonnene finanzielle Sicherheit ist einer der Anlässe, warum das Amateurensemble heute sein Zehn-Jahr-Jubiläum ganz entspannt feiern kann.

1990 wurde der Verein Wilde Bühne von dem Ehepaar Butsch gegründet. Bis dahin hatten beide in der stationären Suchttherapie gearbeitet und dabei das Theater als Mittel entdeckt, den Drogenabhängigen z helfen. Auf der Bühne sollte ehemaligen Drogenabhängigen die Möglichkeit geboten werden, sich „in künstlerischer Form mit ihrer Vergangenheit auseinander zu setzen“. Seither absolvieren in der Regel rund 25 Frauen und Männer um die hundert Aufführungen im Jahr. Die Premieren finden im Kulturwerk Naost statt. Dort hat die Wilde Bühne seit wenigen Jahren ihr Unterkommen gefunden. Danach gehen Stücke wie „Mensch Kalle“, „Wildvögelein“ oder „Filmriss- zapp und weg“ jedoch auf Tournee. Bei Kleinbühnen ist die Wilde Bühne zu Gast, auf Betriebsfeiern, vor allem aber in Schulen und Jugendzentren, wo die Suchtprävention im Mittelpunkt ihrer Auftritte steht. „Unsere Spieler sind sehr authentische Botschafter“, sagt Lea Butsch. „Sie wissen vieles über Wege in die Sucht, aber eben auch über Wege aus der Sucht.“ Nach der Vorstellung stehen die Spieler für Diskussionen mit den Jugendlichen zur Verfügung.

In den Stücken geht es jedoch nicht unmittelbar um die Sucht. Einige Produktionen basieren auf literarischen Vorlagen. Otfried Preußlers „Krabat“ wurde gegeben und eine „sehr freie“ Version von Goethes „Faust“. Alle Stücke aber handeln von Menschen in Bedrängnis. So erzählt „Regenbogen“, eine Adaption von Urs Widmers „Nepal“, von der Einsamkeit junger Menschen, der Leere, die sie umgibt und kleinen, mitunter verhängnisvollen Fluchten. In „Mensch Kalle“, dem jüngsten Stück der Wilden Bühne, geht es um eine Jugendgang, die plötzlich einen Mörder in ihren Reihen hat.

(Quelle: Stuttgarter Zeitung) 

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Soziokulturelles Forum für ehemalige Drogenabhängige

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